Angst

Jeder hat Angst vor den verschiedensten Dingen, bei Parkour meistens vor neuen Bewegungen bzw. vor dem Sturz. Das ist völlig normal und auch gut so, die Angst ist ein natürlicher Schutzmechanismus.
Bestimmt werdet ihr irgendwann das Gefühl haben, dass eure Angst euch einbremst, sie hindert euch daran eure kompletten Fähigkeiten auszunutzen.

Jetzt gibt es 2 Dinge die ihr tun könnt:

  1. Ihr vermeidet solange wovor ihr Angst habt und trainiert etwas anderes bis die Angst langsam weggeht, weil die gefürchtete Bewegung irgendwann mega einfach für euch wird. Das ist OK. Ihr werdet ständig vor irgendwas Angst haben, damit leben und den Problemen aus dem Weg gehen bis sie sich von selbst lösen. Das ist zwar nich besonders heldenhaft, aber es ist OK.
  2. Ihr schaut der Angst ins Gesicht und besiegt sie, ihr mach wovor ihr Angst habt und fühlt euch den ganzen Tag mega gut.

Wenn du dich für Variante 1 entscheidest kannst du ab hier aufhören zu lesen, dieser Teil ist für Leute die für das was sie erreichen wollen kämpfen wollen. Für Leute die ihren Geist kontrollieren wollen und nicht anders herum.
Wir haben für euch gesammelt wie wir unsere Ängste besiegen:

 

1. Trainiert ähnliche Bewegungen

So arbeitet ihr um die Technik drumherum, durch ähnliche Bewegungen entwickelt ihr ein Gefühl für diese allgemeine Art den Körper zu bewegen. Euer Körper lernt sie kennen und gewöhnt sich daran, durch die gemachte Erfahrung fällt es leichter sich anzupassen.

 

2. Stärkt euren Körper

Macht Kraftübungen.

Bei einem Armsprung sollte das letzte worum ihr euch sorgen machen solltet sein ob eure Hände stark genug sind um sich an der Mauer festzuhalten. Bildet also einen starken Körper dem ihr vertrauen könnt, der macht was ihr ihm sagt.

 

3. Studiert die Technik

Schaut euch die Technik die ihr lernen wollt tausende Male an, studiert sie in Zeitlupe und Bild für Bild. Versteht die Bewegung, wie sie funktioniert, welches Körperteil was macht und wofür verantwortlich ist, überlegt auf was ihr besonders achten müsst, geht sie beim Einschlafen durch, malt ein Gemälde des Sprungs, schreibt ein Gedicht über das Gefühl in der Luft, ich denke ihr wisst was ich sagen will.

 

4. Visualisierungen

Schließt die Augen und stellt euch vor wie ihr die Bewegung ausführt, lasst sie vor eurem inneren Auge ablaufen. Aus eurer und aus der Perspektive eines Zuschauers, in Zeitlupe, usw.
Stellt euch vor wie ihr euch beim Sprung fühlt, wie ihr die Bewegung spürt, eure Gefühle vor während und nach dem Sprung. Ganz großer Geheimtipp!!!

 

5. Spotter

Nehmt einen starken Freund mit, oder zwei, oder drei, ein ganzes Footballteam, was auch immer. Die sollen sich dann hinstellen und euch sichern, sie können auch festhalten, stützen oder fangen falls etwas schief geht. Ihr wisst zwar, dass das bestimmt nicht passiert, trotzdem gibt das oft ein ungemein großes Gefühl der Sicherheit.

 

6. Plan B

Überlegt euch was schief gehen kann und wie ihr euch dann retten könnt, übt wie ihr euch im Notfall abfangt. Das gibt euch Sicherheit und ist überlebenswichtig. Es wird der Moment kommen an dem ihr fallen werdet, das kann jedem passieren. Wenn es soweit ist wollt ihr richtig fallen können.
Solch ein Training kann den Unterschied zwischen lachend aufstehn, während man sich den Schmutz von der Schulter klopft, und Aufwachen im Krankenhaus mit Infusion im Arm ausmachen.

 

7. Kurz weggehen

Ihr steht seit 15 Minuten vor einem Sprung und traut euch einfach nicht umso länger ihr dort steht umso schlimmer wirds. Geht am besten kurz weg und trainiert für 30 Minuten etwas anderes um mit freiem Kopf zurückzukehren.

 

8. Beschäftigt euch mit eurer Angst

Wieso habt ihr Angst? Wenn ich falle, falle ich dann wirklich so schlimm wie ich denke? Gibt es einen rationalen Grund für meine Angst?
Lerne zu unterscheiden ob die Angst da ist weil du etwas dummes vorhast, für dass du nicht bereit bist, oder ob es sich um unbegründete Ängste handelt.

 

9. Atmung

Verkrampft euch nicht und atmet ruhig durch. Tief ein und vor allem auch schön ausatmen hilft euch einen klaren Kopf zu bekommen und die Sache ruhig und gelassen zu analysieren, ihr solltet nicht total gestresst sein vor einem Sprung sondern lieber nochmal ausatmen und alles wichtige in Ruhe durchgehen.

 

10. Entscheidungen

Mir hat es immer geholfen, wenn ich mir den Sprung den ich machen wollte genau angeschaut habe, ohne den Druck ihn gleich machen zu wollen. Einfach anschauen und so neutral wie möglich überlegen:

  • Bin ich heute fit genug für den Sprung?
  • Bin ich bereit für den Sprung?
  • Ist die weite drin?
  • Lande ich gut und sicher?
  • Kann ich mich retten falls etwas schiefgeht?

Danach entscheidet man ob man den Sprung jetzt macht oder nicht.
Entscheidet man sich, dass man den Sprung macht, ist für mich in dem Augenblick klar:
Heute versuche ich den Sprung, ich habe mich entschieden, an dieser Entscheidung gibt es nichts zu ändern.

Diese Art Entscheidungen zu fällen, nimmt mir oft die Unsicherheit, die man beim Anlauf noch hat, denn es gibt nichts mehr zu überlegen, ich habe mich entschieden.
Für diese Methode muss man schon sehr konsequent sein und eine gewisse Kontrolle über seine Gedanken und Gefühle haben.

 

11. Mit dem Anlauf beginnt die Bewegung

Auch dieser Tipp hat etwas mit Entscheidungen zu tun. Ihr müsst euch bevor ihr anlauft entscheiden:

Ist das ein Test-Sprung oder der richtige Sprung?

Diese Überlegung sollte bevor man anfängt loszulaufen zu Ende geführt werden und nicht erst im Anlauf.
Irgendwann macht ihr es euch zur Gewohnheit nicht mehr zu Stoppen sobald ihr losgelaufen seid, so wird die Angst vor dem Sprung durch die Angst vor dem Anlaufen ersetzt. Dies nimmt euch zwar nicht unbedingt die Angst, aber ihr könnt euch während dem Sprung auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich auf die Ausführung, und müsst nicht bis kurz davor überlegen ob ihr jetzt echt springt oder wohl eher doch nicht.

 

Bevor ihr anfangt eure Angst zu überwinden solltet ihr euch genau überlegen ob ihr für den Sprung bereit seid oder nicht, es geht darum eine sichere und schöne Bewegung zu vollführen und nicht um irgendwelche halsbrecherischen Kamikaze-Aktionen. Dafür werdet ihr nur ausgelacht. Anerkennung gibt’s für schöne, flüssige, sichere und saubere Bewegungen in denen Liebe, Blut, Schweiß und Tränen drin stecken.

Viel Erfolg!